Gegenseitig
"Die Häuser denen, die drin wohnen – die Betriebe denen, die dort arbeiten”
Mit diesen Forderungen sollte dem Zwang zu Profitorientierung und Kapitalakkumulation ein Schnippchen geschlagen werden. Allerdings ging im Lauf der Jahre ein Großteil des einstmals gemeinschaftlich erworbenen Eigentums schleichend wieder in individuelles Privateigentum über.
Aus diesen Erfahrungen entstand die Idee, Eigentum und Nutzung zu trennen. Wir wollen deshalb Wege finden, wie selbstverwaltete Wohn- und Arbeitsprojekte ihre Utopien in Häusern und Grundstücken erproben können, die ”niemandem” gehören – also weder angeeignet noch profitabel verwertet werden können. Zu diesem Zweck haben wir die 'Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit' gegründet. Das zentrale Werkzeug um Re-Privatisierung auszuschließen, ist die Rechtsform der Stiftung.
Die Verantwortung für das solcherart neutralisierte Eigentum tragen alle Mitglieder der PaG gemeinschaftlich. Durch sorgsamen Umgang mit dem Stiftungskapital, Erhalt der erworbenen Immobilien und die gemeinsame Akquirierung immer neuer Geldmittel ist gewährleistet, daß stets neue und weitere Projekte dazu kommen können.
Wir wollen die Entwicklung und Erprobung solidarischer und gemeinschaftlicher Wohn-, Lebens- und Arbeitsprojekte umfassend unterstützen, sowohl in bestehenden als auch in neu gegründeten Gruppen. Wir tun dies, indem wir den ökonomischen Druck auf die Projekte mildern und Sach- und Fachkompetenz in allen wichtigen Bereichen zur Verfügung stellen. Damit werden in den einzelnen Projekten Ressourcen freigesetzt, um mehr Raum für die eigentlichen Projektziele zur Verfügung zu haben.
Wir wollen die Vernetzung und gegenseitige Unterstützung von kollektiven/ selbstverwalteten Projekten fördern und die Vereinzelung auch bereits bestehender Gruppen aufheben.
Die Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit (PaG) lernt und entwickelt sich durch gemeinsame Prozesse und ist somit selbst ein Experiment.
Förderung
Die Projektwerkstatt erwirbt Immobilien, in denen gemeinschaftliche und selbstorganisierte Wohn-, Lebens- und Arbeitsprojekte erprobt, entwickelt und gelebt werden. Den Kauf oder die Beteiligung tätigt die Stiftung der PAG. Mit Unterstützung der PaG versuchen die Initiativen, möglichst viele GeldgeberInnen für das jeweilige Vorhaben zu gewinnen. Das Ziel hierbei ist, unabhängig von Bankkrediten zu sein und den hohen Zinszahlungen zu entkommen. Die einzelnen Projekte werden dadurch spürbar entlastet. Den Gruppen wird dann die Immobilie zur Nutzung ausgeliehen und so die gewollte Trennung von Eigentum und Nutzung festgeschrieben. Die Leihe, d.h. ein entsprechender Leihvertrag, ist dabei unser zentrales Instrument, um die gegenseitigen Bedingungen verantwortlich zu regeln (z.B. über Instandhaltung, Kosten der Bewirtschaftung, Abnutzung und Gebäudeversicherungen). Die NutzerInnengruppen der Immobilien arbeiten spätestens ab dann gleichberechtigt an den Aktivitäten der Projektwerkstatt mit, werden stimmberechtigtes Mitglied und beteiligen sich zukünftig auch an Entscheidungen über die Förderung weiterer Projekte. Somit übernehmen sie Verantwortung für das Eigentum der Stiftung, ohne selbst EigentümerInnen zu werden.
Die NutzerInnen legen ihre Ziele und ihr praktisches Vorgehen im Projekt vorher verbindlich fest. An einem frühzeitig aufgestellten Wirtschaftsplan lässt sich die erfolgversprechende Eigenwirtschaft-lichkeit der Gruppe einschätzen.
Die NutzerInnengruppen legen neben ihren Absichten auch die Umstände fest, die sie selbst als Scheitern ihrer eigenen Ziele begreifen würden. Im Falle des Scheiterns muss entweder ein neuer Leihvertrag ausgehandelt oder das Gelände an eine andere geeignete Gruppe weitergegeben werden.
Gleichzeitig verpflichten sich die NutzerInnen, auf unterschiedliche Art und Weise für den kontinuierlichen Zufluss weiterer Mittel Sorge zu tragen. Denn nur so lässt sich gewährleisten, dass fortlaufend weitere Gruppen und Ideen unterstützt und gefördert werden können.
Entschärfung
Mobile
In der Projektwerkstatt arbeiten und begegnen sich Menschen mit vielfältigen Motiven, Visionen, Zielvorstellungen, Erfahrungen und persönlichen Bedürfnissen.
Jede/r neigt dazu, Auseinandersetzungen aus ihrer/seiner Perspektive zu führen und zu unterschiedlichen Einschätzungen zu kommen. Wie im richtigen Leben bewegen wir uns mit unserem Projekt in einer Reihe von zwischenmenschlichen und politischen Spannungsfeldern.
In der PaG wollen wir Konflikte, die aus den unterschiedlichen Interessen entstehen können, mit aktiver Balance bewältigen. Darunter verstehen wir, dass alle, die an den Gruppenprozessen beteiligt sind, die Bereitschaft mitbringen, den Blick nicht ausschließlich auf das Gegensätzliche zu richten, sondern immer wieder nach den Gemeinsamkeiten zu suchen.
Wir sehen unser Projekt in einer Art Interessen-Mobile aufgehängt. Wenn an einem Ende des Mobiles gezogen wird, kommt alles andere unwillkürlich in Bewegung. Alle AkteurInnen spüren, dass ihre Bewegung das gesamte Mobile beeinflusst. Die zentrierte Ruhe eines Mobile kann nicht durch einen Kompromiss erreicht werden, sondern nur durch die Balance seiner Teile.
Die ursprüngliche, zunächst nur angenommene Balance der gemeinsamen Zielsetzung muss im Alltag immer wieder neu herausgefunden und hergestellt werden. Als eine Art sozialer Akrobatik verlangt unser Balancieren also große Beweglichkeit: neigt sich das Mobile zur Bürokratie, wird von den AkrobatInnen eine Gewichtsverlagerung zur Spontaneität verlangt. Wird das Wachstum des Projektes mit schwergewichtigen Sachzwängen belastet, wird von den AkteurInnen verlangt werden, sich leichter und kreativer zu bewegen. Zerfasern die Diskussionen in der Beliebigkeit des Themendickichts, braucht es Menschen, die eine Perspektivdiskussion initiieren.
Zusammenwachsen
Eine Besonderheit der Projektwerkstatt ist, dass es keine Aufteilung geben soll in:
- Projektwerkstatt < > Unterstützung suchendes Projekt
- GeberInnen < > NehmerInnen
- alteingesessene Projekte < > Neulinge
Unser Ansatz ist vielmehr, dass alle interessierten Gruppen durch einen Prozess des Zusammenwachsens in die Struktur und Diskussion der PaG eingebunden, also ein Teil davon werden. Zusammenwachsen bedeutet auch, dass Vertrauen entsteht – eine wesentliche Voraussetzung für den gemeinsamen Kauf eines Hauses oder Grundstücks.
Erfahrungsgemäß tauchen in Annäherungsprozessen viele Unterschiede auf: Geschlecht, sozialer und politischer Hintergrund, Alter oder sexuelle Orientierung sind nur einige wenige davon. Unser Wunsch ist, dass all diese verschiedenen Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen sich unter dem Dach der Projektwerkstatt zu Hause fühlen.
Dieses Unterfangen erfordert die Bereitschaft aller Beteiligten zu Aufmerksamkeit, Phantasie und Flexibilität. Dafür bekommen sie eine Vernetzung mit ähnlichen Projekten und die Möglichkeit, die Geschicke der Projektwerkstatt zu gestalten und von ihren Angeboten zu profitieren.
Zusammen in der PaG arbeiten
Zusammen arbeiten bedeutet Kennenlernen, Austausch, Vertrauen schaffen, den Blick auf das Gemeinsame, nicht auf das Trennende zu richten. Während aller Phasen des Zusammenwachsens sind die Arbeitsgruppen und Fachkommissionen der Projektwerkstatt offen für die Mitglieder der Projektgruppen.
Neben den schon lange existierenden Arbeitsgruppen der PaG bilden sich zur Zeit neue, die mehr den Bedürfnissen der Projektgruppen entsprechen. Einige der Themen sind z.B. Geldbeschaffung und Finanzierungskampagnen, und Projektentwicklung.
Zusammen Häuser kaufen
Die Suche nach einem geeigneten Objekt, die Beschaffung der erforderlichen Gelder, das Aushandeln eines Kaufvertrages – die vielen Schritte, die bis zur Unterschrift eines Kaufvertrags nötig sind, werden teilweise von den Projektgruppen alleine, teilweise in Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern der Projektwerkstatt gegangen.
Die Begleitung durch die Projektwerkstatt kann je nach Bedarf ganz unterschiedlich aussehen, zum Beispiel in Form von
- Hilfe bei der Suche nach einem passenden Objekt
- Unterstützung durch die Fachkommission Bau bei der Beurteilung, ob das ”Traumhaus” für die geplante Nutzung geeignet ist
- Unterstützung bei Kampagnen zur Geldbeschaffung
- Ausarbeitung des Kaufvertrages mit der AG Steuer & Recht
- und weiteres mehr
Die letztendliche Entscheidung, ob die Stiftung im Auftrag der Projektwerkstatt und der Projektgruppe die jeweilige Wunsch-Immobilie kauft, trifft der Projekte-Rat.
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 23. Februar 2008 )